„Hier ist ein Ort, an dem du sein kannst. ,,Diesen Satz hat Schwester Frodulfa oft gesagt – und er beschreibt vielleicht am treffendsten, wofür das St. Anna-Stift in Kroge steht. Im dortigen Konvent feierten jetzt drei Mauritzer Franziskanerinnen ihr Ordensjubiläum: Frauen, deren Leben so verschieden verlaufen sind wie die Aufgaben, denen sie sich gewidmet haben. Und die doch dadurch verbunden sind, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.
Zwei eiserne Ordensjubiläen: Schwester Frodulfa (geborene Wilhelmine Hellweg) aus Lähden im Emsland, die vor 65 Jahren ihre Profess hatte, rührte sprichwörtlich in vielen Töpfen. Von 1977 bis 1988 leitete sie die Küche des St.-Bernhard-Hospitals in Brake. Als Köchin und später Küsterin, Chorleiterin und Organistin hat die bald 88-Jährige Gemeinschaft in all ihren Facetten geprägt. Eine Anekdote aus ihrem Ordensleben fasst das besonders anschaulich zusammen: Bei einem Fest leitete sie gleichzeitig den Chor, sang fehlende Stimmen selbst mit, spielte Orgel – und kümmerte sich nebenbei darum, dass die Erbsensuppe nicht anbrannte. Schwester Raymira (geborene Hedwig Hinxlage), geboren am 12. April 1938, legte ihr öffentliches Gelübde am 28. Oktober 1963 ab – also ebenfalls vor 65 Jahren. Als Krankenschwester arbeitete die gebürtige Garrelerin auf verschiedenen Frauenstationen, begleitete ältere Mitschwestern in der Pflege und leitete die Wäscherei im Mutterhaus in Münster-Mauritz.
Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, war in ihrem Verständnis Teil desselben Auftrags: gepflegte Kleidung, gutes Essen, eine achtsame Atmosphäre im Speisesaal. Heute setzt Schwester Raymira ihr Wirken in Gebet und stiller Präsenz fort.
Das diamantene Ordensjubiläum: Schwester Theognia (geborene Margarete Wolke) beging ihr 60-jähriges Ordensjubiläum. 26 Jahre lang arbeitete die gebürtige Lindernerin als Krankenschwester in der Psychiatrie in Telgte – in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen gesellschaftlich stark stigmatisiert waren.
Die heute 87-Jährige begleitete Patientinnen und Patienten ebenso wie deren Angehörige, oft in Situationen, die wenig Raumfür einfache Antworten ließen. Anschließend übernahm sie für 8 Jahre Leitungsverantwortung als Oberin im Krankenhaus St. Elisabeth in Damme, bevor sie in die Seniorenarbeit wechselte. Seit 17 Jahren ist Kroge ihr Zuhause. Auf Feierlichkeiten im Kreise ihrer Mitschwestern im Mutter haus in Münster-Mauritz folgte ein gemütliches Beisammensein im Kroger Konvent, an dem auch Mitarbeitende des Alten- und Pflegeheims teilnahmen. Schließlich gratulierten Angehörige und Freunde in einer Feierstunde den Jubilarinnen, die zusammengerechnet seit 190 Jahren im Dienste Gottes stehen, zu dem besonderen Anlass.
Die drei Schwestern stehen exemplarisch für Generationen von Ordensfrauen, die mit fachlicher Kompetenz und menschlicher Zugewandtheit gewirkt haben, häufig im Verborgenen, selten im Rampenlicht. Ihre Haltung hinterlässt Spuren – auch im St. Anna-Stift.